Problemgeschichte und Entwicklung der Psychotherapie

Skriptum zur Lehrveranstaltung

Isaias Costa, Version von 12. Jänner 2016


Inhaltsverzeichnis

1 EINFÜHRUNG
2 DAS PROBLEM DER PSYCHOTHERAPIE
2.1 Die Rolle des Wahnsinns in der Geschichte
2.2 Die kulturhistorische Sicht
2.3 Eine existentialistische Frage
2.4 Die wissenschaftliche Frage
3 ENTWICKLUNG DER PSYCHOTHERAPIE
3.1 Umgang mit dem Wahnsinn vor der Psychoanalyse
3.2 Die Triebkraft der Entwicklung
3.3 Persönlichkeitsentwicklung
3.4 Das Unbewusste
3.5 Neurosenlehre
3.6 Die Therapeutische Beziehung
3.7 Therapie und Gesellschaft
4 SCHLUßFOLGERUNGEN

1. EINFÜHRUNG

In diesem Workshop befassen wir uns mit der Frage: was ist das Problem, mit dem sich die Psychotherapie befaßt, und wie hat sie sich entwickelt?

Diese Frage werden wir zweierlei angehen: zunächst aus einer kulturhistorischen Perspektive. Was bedeutet der Begriff Wahnsinn? Wie wurde er im Laufe der Zeit im Abendland konstruiert, wie hat er sich zur heutigen "psychischen Störung" entwickelt, was für eine Funktion hat er gespielt bzw. spiel er heute? Die Frage wird in verschiedene Bereichen vertieft wie zum Beispiel der Wahnsinn als Gegenspiel zur Vernunft, das existentielle Dilemma zwischen Identität und Anpassung oder der Bezug zwischen Psychotherapie und Wissenschaft.

Nach dieser historischen Kontextualisierung werden wir im zweiten Kapitel einen Überblick über die vielfältige Antworten der Psychotherapieschulen und ihre Entwicklungen geben. Wie gehen sie mit dem Problem "psychische Störung" um, was sind die spezifischen Stärken und Schwieigkeiten der einzelnen Methoden?

Diese Diskussion wird mit konkreten Fallbeispiele belegt und die Unterschiede der Zugänge werden sehr Praxis nahe diskutiert.

2. DAS PROBLEM DER PSYCHOTHERAPIE

Wenn wir uns nach dem Problem der Psychotherapie fragen, nehmen wir gezwungener Maße einen Standort, der schon sehr eingeschränkt ist. Der Begriff "Psychotherapie" hat sich im deutschen Sprachraum und erst am Ende des zwanzigsten Jahuunderst durchgesetzt. Da ist eine zu kurze Optik.
Wechseln wir den Standort und fragen uns nach dem Objekt der Psychotherapie - da kommen wir zu Begriffe wie psychische Störung, seelische Krankheit, Irrsinn, Unsinn, Wahnsinn. Der Wahnsin ist ein Begriff, der schon im Mittelalter vorhanden ist. Er kommt aus dem althochdeutsche "wanwizzi", wobei wan ursprünglich „leer, mangelhaft“. "Wahnsinn" bedeutete daher „ohne Sinn und Verstand“. Dagegen hat das Wort "Wahn" mit falschen, eingebildeten Hoffnung, Bessenheit zu tun. Davor im Althochdeutsch finden wir die Worte sinnelösi, tobunga und unsinnigi; die zu den lateinischen dementia, alienatio und insipientia korrespondieren.
Wie die Worte so auch die Rolle des Wahnsinns hat sich im Laufe der Zeit verändert.

2.1 Die Rolle des Wahnsinns in der Geschichte

Wir geben hier ein paar Bilder, die im Laufe der Zeit mit dem Wahnsinn verbunden waren:

Narr
Nun sind unser zwey . Narrenspiegel am Rathaus von Nördlingen
Schamane
Schamane aus der Mongolei

Der Hofnarr zum Beispiel hatte einen Platz am Hof und viel Freiheit. Er wurde zwar belacht, war aber gleichzeitig bekannt, träger vom tieferen Sinn zu sein.
Der Hofnarr war oft ein fester Bestandteil des Hofstaates. Die Hofnarren sollten ursprünglich ihren Herrn nicht belustigen, sondern ihn als ernste Figur ständig daran erinnern, dass auch er der Sünde verfallen könne, und in religiöser Deutung seinem Herrn als Erinnerer an die Vergänglichkeit seines menschliches Dasein dienen. Sie waren also eine soziale Institution zulässiger Kritik. Sie hatten eine gesonderte Stellung und waren an gesellschaftliche Normen nicht gebunden.
In der Abbildung rechts macht die Inschrift "wir sind zwei" die Sonderstellung des Narren herrlich sichtbar. Sie spricht auch die künstliche Trennung zwischen Vernunft und Wahnsinn an und überrascht, in dem sie den Betrachter als gleichfalls Narr bezeichnet.
Narren waren aus heutiger Sicht Geisteskranke, oder Menschen mit geistigen oder köperliche Behinderungen. Mit der Zeit hat es auch "künstliche" Narren gegeben - Schauspieler, die die Rolle der Narren gespielt haben.

Auch Heiligen würden wir vielleicht heute Geistekranken nennen. Insbesondere ist der Phänom einer Vision von außen nicht von dem einer Halluzination, optischen oder akustischen Wahnvorstellungen zu unterscheiden. Ebenso ist eine religiöse Ekstase aus psychologischer Sicht nichts anderes als ein veränderter Bewusstseinzustand. Auch negativen bewertete Zustände wurden mit Bessenheit durch fremden Geister erklärt. Vom Teufel besessen zu sein erinnert an multiple Persönlichkeitsstörung (Siehe dazu den packenden Film Frankie und Alice).
Auch in anderen Kulturen hat der Wahnsinn eine andere Bedeutung. Zum Beispiel im werden psychotische Zustände willentlich hervorgerufen um Zugang zu Visionen, Jenseits zu bekommen. Psychose wird hier nicht als eine Krankheit sonder als ein alltägliche Erscheinung, die das Leben Berichert. In einem Weltbild, in dem Jenseits und Diesseits nicht so streng getrennt sind wie in unserem, gehört zum alltag, dass eine Person spontan einen "Geist inkorporiert", dieser für ein paar Minuten da ist, von den Anwesenden wahrgenommen und begrüßt wird, um dann wieder zu gehen. Keiner würde auf die Idee kommen, diese Person als krank zu sehen. Sie wird nicht ausgeschlossen, sie wird nicht behandelt. Sogar eventuell im Gegenteil wird sie geschult, um diesen psychotischen Zustand bewusst und in einem sicheren Rahmen herzustellen.

Zusammenfassend sehen wir, dass eine Person mit psychischer Störung in Laufe der Zeit und in anderen Kulturen unterschielist verstanden, interpretiert wurde. Es ist sehr spezifisch zu unserem Kuturkreis, sie als eine Krankheit zu sehen und eine Heilung anzustreben.

2.2 Die kulturhistorische Sicht

Michel Foucault hat sich mit dem Thema intensiv beschäftigt (Wahnsinn und Gesellschaft). Sein Werk hat die sogenannte Post-Moderne zutiefst geprägt. Es geht ihm darum, unsere Kultur heute zu verstehen. Dazu beschäftigt er sich mit der Frage der Macht und wie wir die Gesellschaft gestalten. Unter anderen geht es um die Feststellung, dass wir der Vernunft einer sehr hohen Stellung geben. Um das zu vollziehen, war es notwendig, ihr Gegenspieler den Wahnsinn zunächst auszugrenzen. Das bezieht sich auf den frühen Mittelalter, wo die Narren besonders gekleidet wurden, so dass man sich sofort erkennen konnte. Der Wahnsinn hat zwar noch zur "normalen" Gesellschaft dazu gehört, wurde aber durch diese Kennzeichnung für die Vernunft weniger bedrohlich.
Danach kommt zu einer Phase der Ausgrenzung. Der Wahnsinnige wird eingesperrt und verdrängt. Es entstehen die Irrenhäuser (in Wien ist der Besuch vom Narrenturm im Alten AKH sehr zu empfehlen). Die Irrenhäuser waren zunächst einfach Gefängnisse, Verließe, wo sie ausgesperrt und vergessen wurde.
Mit der Zeit wurde der Narr mehr als Patient gesehen und daher auch gepflegt und behandelt. Das Ziel der Irrenhäuser war aber viel mehr das gefügig machen für die Gesellschaft als das WOhl befinden der Patient_innen. Die Irrenhäuser erfüllen so zwei Funktionen: zum Teil sind sie ein Schutz für die betroffenen, sie werden genährt und gepflegt. Gleichzeitig schützen sie auch die "normale" vernünftige gesellschaft vor dem Wahnsinnigen, vor dem Wahn selbst. Dieses Thema ist in vielen Kunstwerke behandelt worden, speziell in Film Le Roi de cœur vom Regisseur Philippe de Broca.

In der Stelle (1:36:17) ist dargestellt, wie die Irren mit dem bevorstehenden Rückzug der Normalen den Schutz des Irrenhauses suchen. Um hineinzukommen legen sie ihre Masken ab. Das Tor wird von ihnen selbst zugesperrt und sie behalten den Schlüssel (1:38:21).
Heute leben wir in einer Zeit, wo nach massiven Kritik an die Irrenhäuser (s. zum Beispiel den Film Einer flog über das Kuckucksnest und Die besten Jahre), wir zu einem Konsens gekommen sind, wo Personen nur in sehr speziellen Situationen, wo sie sich selbst oder Dritten unmittelbar gefährden, in ihrer Freiheit eingeschränkt werden können. Die Ausggrenzung passiert aber immer noch und zwar durch die Brandmarkung der Diagnose einer Krankheit. Manche Diagnosen spielen heute die Rolle der Mauer der Irrenhäuser.

Dieses Thema des Zusammenhangs zwischen Vernunft und Wahnsinn ist nahe verwandt mit dem sogennten Problem des AnderenX. Der Psychoanalytiker und Soziologe Tzvetan Todorov spricht über die Schwierigkeit, die wir in unserer Kultur haben, mit den "anderen" umzugehen. Wir tun uns sehr schwer, mit jemandem, der grudsätzlich anders ist als wir, umzugehen. Wir nehmen automatische eine Haltung an, die ihn entweder verleugnet, verdrängt, vernichtet oder ihn intergiert, assimiliert. Sein anders sein wird aber am liebsten aus der Welt geschaft. Das sehen wir heute symptomatisch mit dem Umgang mit den Ausländern: die radikalen Parolen gehen in Richtung "Ausländer raus" oder "sie sollen gescheit deutsch lernen". Mit dem Nachbarn als ein Träger einer anderen Kultur neben uns zu dulden, uns gar an seiner Gegewart freuen, das erfordert sehr viel persönliches Engagement und innerliche Veränderung.
Genauso geht es uns mit der Psychotherapieklient_in. Unsere größte Herausforderung als Therapeut_in ist eben die, uns auf sie als eigenständige Person einzulassen, in der Spannung bleiben, zu erleben, dass sie anders tickt als ich, und sie doch zutiefst zu verstehen.

2.3 Eine existentialistische Frage

Aber dieses kulturgeschichtliche Problem ist gleichzeitig auch ein existentialistisches. Wir entwickeln uns und reifen in Auseinadersetzung mit der Frage zwischen Identität und Anpassung. Wir sind dauernd in einem Balanceakt zwischen diesen zwei Extremen: es ist uns total wichtig, unserer Person treu zu sein, zu uns zu stehen, unseren ureigenen Bedürfnisse nach zugehen; Und gleichzeitg ist es ein Primärbedürfnis in der Gesellschaft integriert zu sein, die Geborgenheit des Nests zu spüren.
Diese Frage ist nicht ein solche, für die wir einmal eine Antwort gefunden haben und dann können wir vergessen. Nein viel mehr ist sie eine solche, die wir im unseren Sterbestunden noch immer stellen werden.
Diese Frage, die in der Persönlichkeitstruktur wohnt, hat eine Gegenspielerin in der Modekrankheit ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit- Hyperaktivitätsstörung X). Hier wird heftig debatiert, ob hyperaktive Kinder mit einer Diagnose und einer Behandlung, die eine Anpassung in der Gesellschaft erleichtert, entgegnen werden sollten, oder ob es nicht an der Gesellschaft daran liegt, für sie mit ihrer speziellen Bedürfnissen einen geeigneteren Platz anzubieten.

2.4 Die wissenschaftliche Frage

Ein weiterer Aspekt, der die Grundlage der Psychotherapie ausmacht, ist die Frage nach der Wissenschaftlichkeit.
Psychotherapie liegt an einer wichtigen Grenzen von dem, was Wissenschaft erbringen kann. Eins der Fundamente der Wissenschaftlichkeit ist die Wiederholbarkeit - kein seelischer Prozess ist wiederholbar. Wissenschaft sucht nach Verallgemeinerung - jede Person ist ein Unikat. Wissenschaft ist auf eindeutigen Aussagen basiert - psychische Erfahrungen sind vieldeutig, das Unbegrifflich ist zeitweise das Wesentliche. Wissenschaft zielt auf objektives Wissen - für psychische Prozesse ist das Subjektive von Bedeutung.
Gleichzeitig hat aber die Psychotherapie den Anspruch eine wissenschaftlichen Methode zu sein. Das tut sie in der Suche nach Qualitätssicherung aber auch als notwendiges kulturelles Mandat unserer Zeiten.
Um diese epistemologisch Spannung zu verstehen ist es hilfreich, die Geschichte der Wissenschaft anzuschauen.
Die Wissenschaft ist in alten Griechenland entstanden. Zuerst waren die alten Denker wie Heraklit und Parmenides da. Sie wundernten sich darüber, das wir in der Welt sind. Herkalit führte den Logos ein, Parmenides die Physis. Diese Begriffe wurden später in Verbum, Wort und Natura, Natur übersetzt und in einem vereinfachten Sinn stellen sie die Spannung zwischen Subjekt und Objekt dar. Aber zunächst war diese Spannung in den Worten selbst enthalten: Der Logos spricht über diese Spannung, in dem er als ein Fluß gedacht wird, in den man nie zweimal steigen kann. Die Physis ist die Essenz der Dinge, das was sich nie verändert. Zwei Zugänge, ein Staunen - dass es überhauüt möglich ist über die Welt in der wir sind zu sprechen.
Das wurde zu einem Hype. Es enstanden Schulen, in dem es gelehrt wurde, als ein Denker zu sprechen, Rhetorik, Sophismen... Mit der (griechischen) Sprache kannst du nicht nur über die Welt sprechen, du kannst auch die Welt beherrschen!
Dagegen haben sich dann die Philosophen formiert, die das Wissen geliebt haben und die zwischen gutem und schlechtem Denken unterscheiden wollten, die den Widerspruch beseitigen wollten. Der Höhepunkt in der Antike bildet dann Aristoteles, mit seinen zwei großen Werken, die Physik und die Metaphysik, die heute in die Wisssenschaft und die Philosophie gemündet sind. In der Reise aber verloren sie die innere Spannung, den Widerspruch.
Nach dem Mittelalter erleben wir eine Renaissance der Wissenschaft, die im Spruch des Galileos besonders prägnant ausgedrückt ist. Er sagt, dass der Sinn der Wissenschaft, der ist

alles zu messen, was messbar ist

Damit drückt er den Dominanzanspruch der Wissenschaft sehr gut aus. Aber er bleibt nicht dabei. dem Satz setzt er noch hinzu:

alles messbar machen, was nicht messbar ist!

Damit macht er - nein eigentlich spricht er nur aus, was Aristoteles schon vollzogen hatte - aus der Wissenschaft ein politisches Programm. Das bedeutet, dass wir kulturell in einer Welt leben, in der wir automatisch dazu "genötigt" werden, alles zu erklären, alles unter der Obhut eines rationales Diskurses zu bringen.

Selbstbezug
Drawing Hands von M.C.Escher (dieses Bild ist copyright geschütz und wird hier als "faire" Benützung zur Illustration eines Selbstbezugs benützt)

Gleichzeitig aber ist dieses Mandat nicht vollstreckbar. Der Widerspruch läßt sich nicht aus der Welt schaffen (das wurde sogar in der strickten Mathematik durch den Unvollständigkeitssatz von Gödel erwiesen). Historisch ist es nachvollziehbar, denn bei Heraklit und den anderen alten, der Widerspruch ja enthalten war. Aristoteles hat ihn nur "vergessen" (ich beziehe mich hier auf die Seinsvergessenheit von Heidegger). Der Grundgedanke hinter dem mathematischen Theorem ist der, dass es nicht möglich ist zu garantieren, dass in jedem Diskurs keinen selbstbezogenen Satz enthalten ist. Ein Selbstbezug ist ein Satz über den nicht gesagt werden kann, ob er richtig oder falsch ist. Wenn ein solches Tier in deiner Theorie enthalten ist, dann bist du aufgeschmiessen, deine Theorie ist wertlos. Ein einfaches Beispiel ist folgender Satz:

"Dieser Satz ist falsch"

Du kannst dich nie entscheiden, ob er falsch oder richtig ist. Denn wenn er richtig ist, dann besagt er, dass er falsch ist... und wenn er falsch ist, dann ist seine Aussage eben richtig...!
Nun, was Gödell sagt ist, dass wir nie von vorne herein auschließen können, dass ein solcher Satz in einer Theorie inkludiert ist.
Diese Sachlage gilt in der Mathematik. Sie gilt in der Physik, und in allen anderen Naturwissenschaften. Sie gilt auch in alle anderen Wissenschaftsparadigmen.
In der Psychotherapie, eine Wissenschaft dessen Untersuchungsbereich der Mensch selbst ist sind wir die ganze Zeit mit dem Selbstbezug bezug konfrontiert. Carl Rogers hat das erkannt und ein wichtiges Symposium mit dem Titel "Man and the Science of Man", in dem Wissenschafter und Philosophen aus verschiedennsten Richtungen teilgenommen haben, organisiert.
Das ist vielleicht eine Erklärung, warum in der Psychotherapie immer neuen Methoden entstehen. Wir bewegen uns viel mehr in Richtung Methodenvielfalt als in richtung Vereinheitlichung. Und es ist gut so, denn wie es leicht zu beobachten ist, entwickeln sich sehr erfahrene Psychotherapeut_innen immer mehr weg von einer Orthodoxie in Richtung eine eigene Vorgangsweise, die Ausdruck der persönlichen individuellen langen Berufs- und Lebenserfahrung ist.
Aber irgendwo muss dein Weg beginnen, und deswegen ist es gut hier einen Überblick über die Vielfalt der Methoden zu geben, damit du einen für dich befriedigenden Auswahl triffst. Aber triff diesen Auswahl im Bewustsein über diesen Satz von Jaeggi, E. (1997) in ihrem Buch über die Methoden der Psychotherapie 3. Nachdem sie sich zur Psychotherapie bekennt, fügt sie hinzu:

"Ich kann aber mit grosser Sicherheit sagen, dass psychoanalytisch behandelte Patienten nicht bessere Heilungschancen haben als andere (auch keine schlechteren!), hinterher nicht als die vollkommeneren Menschen dastehen und nicht in jedem Fall bessere Einsichten produzieren."

3 ENTWICKLUNG DER PSYCHOTHERAPIE

3.1 Umgang mit dem Wahnsinn vor der Psychoanalyse

        Narrenturm
        Medizinischer x humanistischer Zugang 

3.2 Die Triebkraft der Entwicklung

Hier erkläre ich, wie die verschiedenen Methoden Triebkraft der Entwicklung sehen.
Vom Sexualtrieb bis zur Aktualisierungstendenzen werden die verschiedenen Menschenbilder anhand von Beispiele erklärt.

a. Psychoanalytische Methoden
Sexualtrieb, Liebe, Idee der vollkommen Befriedigung in der Verschmelzung. Ihre Maßlosigkeit. Die Art der Befriedigung in der Kindheit bestimmt das Verhalten des Erwachsenen auch in der Erfüllung von "höheren Bedürfnissen, wie die Sinnfindung.
Die Triebfeder der Entwicklung in der Psychosexualität zu sehen, hat zur Folge die Zerstörung des Mythos der Höherenentwicklung des bürgelichen Menschen. Freud hat immer die Wurzel für Kunst und Wissenschaft mitbedacht, die in der frühen Suche nach Liebe, Lust und Vereinigung liegt sowie in den Möglichkeiten, mit den notwendigerweise auftretenden Versagungen umzugehen.
Diese Wünsche sind Maßlos können aber nicht ungehemmt befriedigt werden. DIe Maßlosigkeit ist nicht nur gesellschaftlich unmöglich sondern macht auch Angst. Viele Wünsche werden daher sofort ins Unbewussten verdrängt (sowie der Schmerz ihrer Nichterfüllung). Alle diese Konflikte sind Neuroseerzeugend und die unterschiedliche Arten, damit um zugehen, ist die Basis der Neurosenlehre.
Paralell dazu kommt die Objektbeziehungstheorie. Da geht es um die Entwicklung der Möglichkeiten des Kindes Beziehung einzugehen (von der Symbiose zur Automonie). Sie steht nicht im Widesrpruch zur Trieblehre sondern vervollstängit sie.

b. Humanistische Methoden
Für Rogers ist die wichtigste Treibkraft die Aktualisierungstendenz. Eine Tendenz alles Lebendigen, sich zum Besten zu entwickeln, das zu werden, was es wirklich ist. Diese Tendenz ist immer wirksam und je nach dem, wie förderlich die Umgebung ist, kommt sie mehr oder weniger zum Ausdruk. Für den den Mensch bedeutet die Aktualisierungstendenz, in der Lage zu sein, die Erfahrung voll wahrzunehmen und sie in seinem Selbst zu integrieren. Konflikte in der Symbolisierung der Erfahrung mit der wichtigen anderen führt zu einer Verzehrung des Erlebten und zu einer Spaltung, die Krank macht.

Das Teleologische Prinzip, das in der Aktualisierungstendenz beinhaltet ist, ist mit Freudscher Theorie unvereinbar. Bei Freud is der Mensch in sich selbst in einem Konflikt zwische Triebbefriedidgung und Maßlosigkeit. Bei Rogers ist der Hinderniss einer voller Erfüllung der Aktualisierungstendenz durch die Verzerrung des Erlebten, die von Außen verursacht wurde.

c. Verhaltenstherapeutische Methoden
Hier ist die Triebkraft nicht von Bedeutung. Der Mensch ist zunächst willenlose Bewegung, die sich von Außen beeinflüssen läßt, der durch positiv und negative Stimuli lernt, sich seiner Umwelt anzupassen. In der kognitiven Verhaltenstherapie kommt die Vernunft dazu und der Mensch entiwckelt sich nicht merh ausschließlich nach den Stimuli sondern hat auch ein eigenes Motiv, nähmlich die vernunft zu finden. Was vernünftig ist, ist wirklich; was wirklich ist, ist vernünftig.

d. Systemische Methoden
Auch dem systemischen Konstrukt ist das Konzept einer Treibenden Kraft fremd.

Das System in sich ist ein Motiv,´ das Individuum bewegt sich um nicht aus seiner Rolle im System zu fallen. Aber Warum das System das ist, was es ist wird nicht gefragt, ist vorgegeben. Ein weitere Aspekt ist die Bedeutungsgebung: also durch die Interpretation der Rolle im System bekommt sie ihre Wirkungsweise auf den Einzelnen. Die Systemtherapie ist ein starkes kontruktivistisches Gebäude.

3.3 Persönlichkeitsentwicklung

Auch in der Sicht der Persönlichkeitsentwicklung unterscheiden sich die Methoden stark von einander. Nicht nur sind die Theorie sehr unterschieden aber auch ihre Wichtigkeit in gesamten Theoriegebäude.
Dies werden wir anhand der Beispiele vergleichen.

a. Psychoanalytische Methoden
Hier ist die Idee, dass

b. Humanistische Methoden
Bei Rogers ist die frühkindliche Beziehung auch von großer Bedeutung. Das Kind braucht die wichtige Andere um sein Selbst zu bilden. Sie lehr ihm bei Exempel, wie die Welt ist und wie sie mit dem Welt umgeht. So kanns das Kind das Erlebte symbolisieren und in seinem Selbstkonzept integrieren. Es wächst.
Hinderlich für die Entwicklung ist es, wenn die wichtige andere auf Grund ihrer eigenen Einschränkungen dem Kind die Welt/es falsch erklärt. Das Kind gerät in einem Konflikt zwischen der organismischen Wahrnehmung und der Symbolisierung durch die wichtige Andere. In angesichts seiner Abhängigkeit muss es iher verzerrt Symbolisierung dem Vorrang geben. Es entsteht so eine verzerrtes Bild, das zu Verhaltensprobleme führt, und eine innere Spaltung, die zu großem seelischen Schmerz und Angst führt.
Ein Beispiel: Kind und Mutter sind an der Kassa im Supermarkt und das Kind will ein Zuckerl haben. Die Mutter verweigert es. Das Kind wird wüttend, die Mutter aber sagt: "Gell, es macht dich traurig, dass du kein Zuckerl haben darfst?" So lernt das Kind verzert, dass das Gefühl, was er spürt Traurigkeit ist. Als Erwachsener ist die Person nicht mehr in der Lage Wut zu spüren. Stattdessen fehlt sie immer in Traurigkeit.

c. Verhaltenstherapeutische Methoden
d. Systemische Methoden

3.4 Das Unbewusste

Das Unbewusste ist für manche Methoden gar kein Thema. Dennoch ist es geschichtlich ein so zentrales Konzept, das wir es hier erklären werden und auch, dort wo er gebraucht wird, zu den Unterschieden sprechen werden.

a. Psychoanalytische Methoden
b. Humanistische Methoden

3.45 Neurosenlehre

Wie entstehen psychische Störungen? Diese Frage hat für alle Methoden Relevanz, ob nun der Fokus auf die Kindheit oder auf das Hier und Jetzt gelegt ist
a. Psychoanalytische Methoden
b. Humanistische Methoden
c. Verhaltenstherapeutische Methoden
d. Systemische Methoden

3.6 Die Therapeutische Beziehung

a. Psychoanalytische Methoden
b. Humanistische Methoden
c. Verhaltenstherapeutische Methoden
d. Systemische Methoden

3.7 Therapie und Gesellschaft

a. Psychoanalytische Methoden
b. Humanistische Methoden
c. Verhaltenstherapeutische Methoden
d. Systemische Methoden

4 SCHLUßFOLGERUNGEN


Referenzen

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  1. Bachler, H. J. (2010). „AD(H)S - Pandemie oder gesselschaftliche Hysterie?“ Psychotherapie Forum, 18, 4, 201–207
  2. Buchholz, Michael B. (2007). Das Können des Unbegrifflichen. http://www.dgpt.de/dokumente/PNL-59.pdf (10.10.09).
  3. Hörmann, G. & Textor, M. (Hrsg.) (1998). Praxis der Psychotherapie. Fünf Therapien. Fünf Fallbeispiele. 2. Aufl. D. Klotz: Eschborn.
  4. Jaeggi, E. (1997). Zu heilen die zerstoßnen Herzen. Die Hauptrichtungen der Psychotherapie und ihre Menschenbilder. 2. Aufl. Hamburg Reinbek.
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  9. Tzvetan Todorov (2008), Die Eroberung Amerikas: das Problem des Anderen, ISBN 978-3-518-11213-7