Psychotherapie – eine Lagebestimmung
Thomas Slunecko
Folie:
1. Eine Ausgangsdefinition
2. Schulenvielfalt und -integration
3. Psychotherapieausbildung
4. Psychotherapieforschung
5. Die Psychotherapie und ihre Umwelten
6. Fazit
Vortrag:
3.1. Zum Artikel vom Thomas Slunecko
Referenz: T. Slunecko (1999) Psychotherapie - eine Lagebestimmung. In T. Slunecko & G. Sonneck (Hrsg.) Einführung in die Psychotherapie. Wien: WUV (UTB), Seiten 11 - 32
* Bitte beachte, dass die Urheberrechte zu den Texten geschützt sind, und ich sie hier nur zum Studiumzweck zur Verfügung stelle. Solltest Du sie downloaden, dann bitte nur vorübergehend und zum Studiumzweck. Du verpflichtest dich, diese Texte danach nicht weiter zu verwenden bzw. zu löschen.
Diskussion:
Fünf Gruppen: Sigrid, Advan, Susan, Nina, Johann
Zur Definition von Psychotherapie
Diskussion im Plenum über die Defnition laut Psychotherapiegesetz:
Pschyotherapie ist "die nach einer allgemeinen und besonderen Ausbildung erlernte, umfassende, bewusste und geplante Behandlung von psychosozial oder auch psychosomatisch bedingten Verhaltensstörungen und Leidenszuständen mit wissenschaftlich-psychotherapeutischen Methoden in einer Interaktion zwischen einem oder mehreren Behandelten und einem oder mehreren Psychotherapeuten mit dem Ziel, bestehende Symptome zu mildern oder zu beseitigen, gestörte Verhaltensweisen und Einstellungen zu ändern und die Reifung, Entwicklung und Gesundheit des Behandelten zu fördern" (BGBl. 361/1990)
Folgenden Aspekte werden in der Folge genauer bertrachtet:
- Heilung x Reifung
- Anforderungen aufgrund der Interaktion und Beziehung zwischen Klient*innen und Psychotherapeut*innen
- Laienanalyse x Universitäre Ausbildung
- Unterschiedliche Annerkennungsstatus von Methoden in unterschiedlichen Ländern
- wissenschaftlichen Anerkennung und Quellberuf der Therapeut*in
Zur Schulenvielfalt und -integration
Diskutiere die Aussagen:
"Psychotherapie ist kein einheitliches, in sich widerspruchsfreies und an einem
gemeinsamen Gegenstandsverständnis ausgerichtetes Wissensfeld"
Gehe speziell auf folgenden Themen ein:
- "prä-paradigmatischer Disziplin" gegenüber der Auffassung, dass die Vielfalt eine "unvermeidliche Bedingung der theoretischen Bearbeitung von sinnhaft verfasster und autopoietischer Realität"
- Der Bezug der Psychotherapeut*in zu ihrer Theorie über Psychotherapie ist selbstreflexiv, es handle sich um ein Verhältnis von „Selbstbetroffenheit“
- Ein Austausch zwischen Alltagsbewusstsein und Theorie lässt sich nicht nur nicht verhindern, es wäre gar nicht wünschenswert
- Infolge des unauflöslichen Bezuges zu der jeweiligen Lebenswelt und Alltagsstruktur, [...] bleibt die psychotherapeutische Modellbildung lebendig und behält ihre Relevanz für die [...] Ansprüche, Bedürfnisse und Anforderungen, die an sie herangetragen werden. Gerade deswegen ist sie allerdings auch anfällig für ideologische Aufladungen und Verzweckungen aller Art
- Neue Entwicklungen in Richtung "integrative" Methode.
Zur Psychotherapieausbildung
Diskutiere die Vision Otto Kernbergs,
einer Kombination von Universität und Kunstakademie alls das ideale Paradigma für eine Psyhotherapieausbildung.
Diskutiere den Zitat Freuds:
dass der Arzt in der medizinischen Schule eine Ausbildung erfahren hat, die ungefähr das Gegenteil von dem ist, was er als Vorbereitung zur Psychoanalyse brauchen würde". Die ärztliche Ausbildung erschien ihm als „ein beschwerlicher Umweg zum analytischen Beruf“, sie würde dem Arzt nämlich zu viel aufladen, „was er [dafür] nie verwerten kann“, und die Gefahr mit sich bringen, „dass sein Interesse wie seine Denkweise von der Erfassung der psychischen Phänomene abgelenkt wird“
Ebenso die Aussage:
"Die Frage der Direktausbildung wird sich nicht in erster Linie an rational vorgebrachten inhaltlichen Argumenten entscheiden. Lobbygruppen, in diesem Fall Ärzte- und Psychologenverbände, verteidigen zunächst und zumeist einmal ihre angestammten Pfründe."
Zur Psychotherapieforschung
Diskussion in Kleingruppen
Hier schreibt der Autor über die historische Entwicklung der Psychotherapieforschung von der Fallbeschreibung Anfangs des 20.Juahrhunderts bis zur modernen qualitativen Inhaltsanalyse. Hast du noch etwas dazu zu fügen?
Diskutiere die Aussage: Wirksamkeit therapeutischer Prozesse nicht nach Universalkriterien, sondern nach kontext- bzw. dialogbasierten Kriterien zu ermitteln
Was kannst du zur folgenden Aussage dazu sagen:
Psychotherapieforschung ist nicht etwas, das therapeutische Theorie und Praxis direkt anleitet, sondern das zu ihr in einem Spannungsverhältnis steht.
Zur Psychotherapie und ihren Umwelten
Diskutiere folgenden Aussagen:
- Es eröffnet sich eine produktivere Perspektive, wenn man Psychotherapie nicht von vorneherein mit Wissenschaft gleichsetzt, sondern sie als eine Profession versteht, in deren Umwelt Wissenschaft – etwa in Form von Psychotherapieforschung – vorkommt und eine gewisse, durchaus nicht unwesentliche Rolle spielt
- Von besonderer Bedeutung für die Professionalisierung eines Berufsfeldes in einer modernen Gesellschaft ist aber weiters jene Koppelung, mit der wir uns bei dem Streifzug durch die Psychotherapieforschung schon ausführlicher auseinandergesetzt haben: die Beziehung zum System Wissenschaft.
- Der Anschluss an eine „Führungswissenschaft“ ist nämlich weniger offensichtlich, wenn man meint, bloß ihre Produkte zu verwenden. Im Fall der Psychotherapie sind hier die Diagnosesysteme ICD (International Classification of Diseases) und DSM (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders) relevant, die tatsächlich zum Standard einer psychologischen oder ärztlichen Ausbildung und Praxis gehören. Mit diesen Diagnosesystemen wird nun aber eine bestimmte Art von klinisch-psychiatrischem Denken, ein Denken entlang von Symptomen und Krankheitseinheiten transportiert und in die Psychotherapie importiert
Zusammenfassung
Kommentiere die Schlussfolgerungen:
- Auf der einen Seite will [Psychotherapie] eine Wissenschaft in ihrem eigenen Recht, eine eigenberechtigte Disziplin sein, auf der anderen Seite beruft sie sich auf wissenschaftliche Diskurse bzw. auf Kriterien anderer Fächer und schließt strategische Allianzen, dies v.a. mit der Medizin und Psychologie, um auf die dort etablierten Mechanismen der Ressourcenverteilung zugreifen zu können
- Es sieht also ganz so aus, als hätten die Mächte des Bestehenden die idealistischen und emanzipatorisch-gesellschaftsverändernden Potenziale, die für große Teile der Psychotherapie in den „wilden“ 1960er- und 1970er-Jahren kennzeichnend waren, weitgehend wieder zurückgedrängt.
