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Die alten Denker


In New Age-Kreisen sind wir mit dem Begriff Yin/Yang gut vertraut. Es wird oft erklärt, dass man Yin ohne Yang nicht einmal denken kann. Sie sind ineinander verwoben, nicht von einander zu trennen, nicht ohne einander denkbar.

Eine ähnliche Sache war es mit der alten griechischen Sprache. Das Wort für den heutigen Begriff "Wort" war "Logos". Aber Logos bedeutete viel mehr als Wort, Sprache, Logik, Sein. Schaue dir an, wie Heraklit darüber spricht:

"Habt ihr nicht mich,
sondern meinen Logos vernommen,
ist es weise zuzugestehen, dass alles eins ist“

Die erste Aussage, "Habt ihr nicht mich, sondern meinen Logos vernommen" ist schon sonderbar. Wieso werden "ich" und "Logos" in dieselbe Kategorie gesteckt? Ist der Logos denn etwas Lebendiges, das mit "ich" zu verwechseln ist? Damals schon! Heute nicht mehr.

Diese Sachlage ist ebenso einer der grundlegende Themen dieser Lehrveranstaltung. Die innere Spannung des Logos, die aus der Trennung zwsichen Ich und der Welt entspring, wohnt auch in der Psychotherapie-Forschung inne. Ist es denn überhaupt möglich über einen Psychotherapieprozess zu forschen? Wir werden sehen, dass es eine humanistische Haltung gibt, die grosso modo von den Altgriechen inspiriert ist, und die in dieser Spannung die ganze Kunst des Therapierens verborgen sieht. Für andere hingegen, die sich an die evidenzbasierte Medizn anlehnen, ist gerade eben die Trennung notwendige Grundlage aller verlässlichen Wissens.

Nun, die Aussage Heraklits wird noch radikaler und zeigt auf das Unbewusste: denn dann "ist es weise zuzugestehen, dass alles eins ist". Was soll denn das nun - Nihilismus! Die Negation der Wissenschaft! Oder sind wir hier in tiefen existentialistischen Gewässern? Darüber könnten wir noch viel schreiben.

Tatsache ist, dass über die kleinsten Textstücke der alten Vorsokratiker, sogenannte "Fragmente", sehr sehr viel geschrieben wurde, ganze philosophische Traktate! Vielleicht deswegen, weil sie aus der Wiege unserer Kultur zu uns sprechen, oder sogar gerade deswegen, weil so wenig erhalten ist und daher viel interpretiert werden kann.

Das wollen wir uns auch geben. In der folgenden Diskussion werden ein paar Fragmente Heraklits gezeigt; spekuliere darüber, verhalte dich, wie ein gelehrter Philologe!

Ein weitere alter Denker war Parmenides von Elea. Dieser war nicht an dem Logos, sondern viel mehr an der "Essenz" interessiert; nicht daran, dass sich alles verändert, sondern daran, dass manches immer gleich bleibt. Diese Essenz, die wir heute noch als die "Natur" zum Beispiel einer Person kennzeichnen, war auf Griechisch "Physis". Parmenides denkt:

„Das Selbe aber ist Vernehmen
sowohl als auch das, wessentwegen Vernehmen ist.
Nicht nämlich ohne das Sein des Seienden,
in welchem es nämlich das Vernehmen als Gesagtes ist,
wirst du das Vernehmen finden.“

Ohne jetzt ins Detail zu gehen, können wir sagen, dass er das "Selbe", die Essenz, mit dem Denken, Logos, zusammensetzt. Hier lesen wir auch über das Sein, das was uns alle verbindet, wo die Trennung zwischen Subjekt und Objekt aufgehoben wird. Also auch wenn sein Zugang über das, was bleibt, ist, kommt er auch zu dem, was sich immer verändert.

So sehen wir also, dass Heraklit und Parmenides eigentlich sich über das Selbe wunderten: über das Sein, darüber dass es möglich ist, über die Welt zu sprechen, und was das alles für Komplikationen mit sich zieht. Das Logos des Heraklit und die Physis des Parmenides sind eingentlich Versuche, über unser Dasein in der Welt zu sprechen.

In der Folge findest Du weitere Fragmente von Parmenides und Heraklit. Wie oben erwähnt, verhalte dich, wie ein gelehrter Philologe und spekuliere darüber:

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