Dauerbeiträge
3.3. Zum Artikel vom Michael Buchholz
Referenz: Interne Schwierigkeiten qualitativer und quantitativer Forschung, Buchholz M., Vortrag am 21. April im Rahmen der 59. Lindauer Psychotherapiewochen 2009 (www.Lptw.de)
* Bitte beachte, dass die Urheberrechte zu den Texten geschützt sind, und ich sie hier nur zum Studiumzweck zur Verfügung stelle. Solltest Du sie downloaden, dann bitte nur vorübergehend und zum Studiumzweck. Du verpflichtest dich, diese Texte danach nicht weiter zu verwenden bzw. zu löschen.
3.2. Zum Artikel von Tschuschke und Freyberger
Referenz: Zur aktuellen Situation der Psychotherapiewissenschaft und ihrer Auswirkungen, von Volker Tschuschke, Harald J. Freyberger, Z Psychosom Med Psychother 61/2015, 122–138
* Bitte beachte, dass die Urheberrechte zu den Texten geschützt sind, und ich sie hier nur zum Studiumzweck zur Verfügung stelle. Solltest Du sie downloaden, dann bitte nur vorübergehend und zum Studiumzweck. Du verpflichtest dich, diese Texte danach nicht weiter zu verwenden bzw. zu löschen.
3.1. Zum Artikel vom Thomas Slunecko
Referenz: T. Slunecko (1999) Psychotherapie - eine Lagebestimmung. In T. Slunecko & G. Sonneck (Hrsg.) Einführung in die Psychotherapie. Wien: WUV (UTB), Seiten 11 - 32
* Bitte beachte, dass die Urheberrechte zu den Texten geschützt sind, und ich sie hier nur zum Studiumzweck zur Verfügung stelle. Solltest Du sie downloaden, dann bitte nur vorübergehend und zum Studiumzweck. Du verpflichtest dich, diese Texte danach nicht weiter zu verwenden bzw. zu löschen.
Schlussdiskussion - Inhalt
Die erste Stunde (10:00 - 11:00) soll inhaltsorientiert sein.
Bitte um Reflexion, ob und was du noch vor dem Abschluss des Workshops thematisieren willst.
- Gibt es noch Fragen zum Inhalt?
- Gibt es besondere Erkenntnissen, die dur mit deinem Kommentar hervorheben willst?
- Gibt es Themen, die offen bleiben, die du eventuelle in der nächsten Gelegenheit angehen willst?
- Gibt es Themen, die offen bleiben, und die offen bleiben sollen?
- Gibt es sonst noch weitere Themen?
Um die Diskussion überschaubar zu machen, gib deinen Kommentaren einen Titel, wie zum Beispiel:
Der Abstand zwischen Praxis und Forschung ist unbefriedigend groß
oder
Über die Akademisierung der Ausbildung
Schreibe diesen Titel fett.
Solltest dein Kommentar kein neues Thema einführen, sondern sich auf bestehenden Inhalt beziehen, verwende als Titel einen Hinweis dazu:
Kommentar zu "Name, am Juni 13, 2020, at 10:10"
(Das ist nicht notwendig, wenn du dich auf den Kommentar unmittelbar davor beziehst).
Nun schreibe deine Überlegungen, usw. in den Kommentaren weiter unten. Oder klicke auf den Link um zur Folie "Schlussfolgerungen" zu gelangen.
Trag deinen Kommentar am Ende der Liste ein
Schlussdiskussion - Form
Die zweite Stunde (11:00 - 12:00) soll der Form gewidmet sein.
Bitte um Rückmeldung über den Kurs:
- Was hat dir gut gefallen?
- Was sollte verbessern werden?
- Vielelicht kannst du dich dabei auch auf Details eingehen und ganz konkrete Inhalt oder Form ansprechen;
- Weitere Themen.
Ich freue mich auf die Rückmeldung und danke für die sehr gute Zusammenarbeit!
Schreibe diese bitte weiter unten. Oder klicke auf den Link um zur Folie "Schlussfolgerungen" zu gelangen.
Trag deinen Kommentar am Ende der Liste ein
Schlussdiskussion - Rückmeldungen an die APG
Rückmeldung an die APG:
Die Leitung der APG hat für die Workshops, die aufgrund der Corona-Krise online gehalten wurden, keine Feedbackbögen vorgesehen. Sie freut sich aber "über Rückmeldungen von Erfahrungen - ev. auch mit verwendeten technischen Medien wie Skype, ZOOM etc. und Ihren Einsatzmöglichkeiten". Du kannst, falls erwünscht, diese ganz einfach anonymisieren: verwende statt deines Namen das Wort "Anonym" und als EMail anonym@anonym.at.
Nun schreibe deine Rückmeldung weiter unten. Oder klicke auf den Link um zur Folie "Schlussfolgerungen" zu gelangen.
Trag deine Rückmeldung am Ende der Liste ein
Vortrag zur ergebnisorientierten qualitativen Forschung
Einführung
Die qualitative ergebnisorientierte Forschung legt ihren Schwerpunkt nicht auf die Frage wieviel sondern vielmehr auf was, wie, warum. Sie stellt auch die Fragen, "was meinen wir mit Ergebnis?" bzw. "was für Ergebnisse gibt es?"
Es gibt leider viel weniger Publikationen in diesem Feld als in der quantitativen ergebnisorientierten Forschung, was in Betracht ihres Grundlagencharakters sehr schade ist. Denn bevor wir etwas erforschen, ist es wichtig, genau zu definieren, was wir forschen wollen. Wir sehen in der ergebnisorientierten Psychotherapieforschung eine große Übergewichtung von quantitiver über qualitativer Forschung. Dieser Übereifer zu rechnen, ist allerdings nichts Neues. Schon in der Physik wird die Anekdote erzählt, dass Wolfgang Pauli, ein sehr origineller Physiker und Nobelpreisträger, der in Wien in die Gymnasiumstraße in die Schule gegangen ist, im seinen Vorlesungen immer betont hat, man soll nie eine Rechnung beginnen, bevor man nicht das Ergebnis kennt.
Also fragen wir, was wollen wir messen, was ist ein mögliches Ergebnis einer psychotherapeutischen Behandlung? Die meisten quantitiven Forschungen untersuchen die Veränderung vom "Sich-besser-fühlen". Aber aus der Praxis und aus der qualitativen Forschung wissen wir, dass oft für die Klient_in Kategorien wie Lebenssinn, Einsicht über meine Lebenssituation, größere Sozialkompetenz eher im Fordergrund stehen.
Erst die qualitative ergebnisorientierte Forschung ermöglicht herauszufinden, was für Forschungsfragen für die Klient_in relevant sind, um diese dann gelegentlich quantitativ zu untersuchen.
Ein weiteres Problem, dass in der qualitativen Forschung thematisiert wird, ist aus wessen Perspektive das Ergebnis untersucht wird. Denn Klient_in und Therapeu_tin schätzen das Ergebnis oft völlig anders ein. Es gibt zum Beispiel Beobachtungen bei psychotischen Klient_innen, dass sie das Ergebnis an der Reduktion des selbstverletzenden Verhaltens messen, und aber ihre Therapeut_in die Betonung mehr auf die Steigerung soziale Konpetenz der Klient_in legen.
Eine weitere mögliche Perspektive ist die einer außenstehenden Person. Im berühmten Buch von Irvin Yalom "Die rote Couch" zum Beispiel wird sehr bildhaft der Fall von einem Therapieklienten dargestellt, der es nach jahrelanger Behandlung schafft, sich von seiner sehr dominanten Ehefrau zu trennen: aus seiner Sicht ein großer Therapieerfolg; aus der Sicht der Ehefrau ein klarer Beweis für den Unfug der Psychotherapie.
Datenerhebung
Wir haben schon in einem vorigen Kapitel über die unterschiedlichen Möglichkeiten der Datenerhebung gesprochen. Hier wollen wir nur die Überschriften noch einmal in Erinnerung rufen:
- Interviews
- Post-Therapie
- Standartisierte, halbstrukturierte Veränderungsbeschreibung, Vorher/Nachher
- Andere verbale Methoden
- Fragebögen
- Private Berichte (Tagebuch, Briefe, Autobiographisches)
- Non-verbale Methoden
- Fotos und Videos
- Projektive Zeichnungen
- Lebenslinie, Lebenskarte
Datenanalyse
- Quantitative Inhaltsanalyse
Die darauf folgende Datenanalyse, die wir auch schon im Detail untersucht haben, erzeugt durch verschiedene Verfahren eine große Menge von Daten, die dann statistisch, quantitativ analysiert werden.
- Exploration bestimmter Aspekte
Eine weitere Möglichkeit der Datenanalyse liegt in der Bearbeitung der Rohdaten, bevor die statistischen Werkzeuge angewendet werden. Wir können so anstatt der bloßen Wortzählung, die Daten inhaltlich kategorisieren. Diese Kategorieanalyse ermöglicht dann einen viel tieferen Blick ins Selbstbild der Klient_in, erfordert aber natürlich viel mehr menschliche Ressourcen. Und sie setzt naturgemäß einen bestimmten theroretischen Hintergrund voraus.
- Interpretative Fallanalyse, Kredibilitätsanalyse
Ein weiterer Vorteil der qualitativen Forschung ist die Möglichkeit, die Rohdaten einer interpretativen Fallanalyse und/oder einer Kredibilitätsanalyse zu unterziehen. Denn, wir wissen ja, die Antwort der Klient_in, der Therapeut_in oder einer dritten Person ist nie objektiv, denn sie will gefallen oder sie ist in Abwehr.
Diskussion im Plenum
Grenzen und Glaubwürdigkeit
Wir wollen hier noch kurz über die Grenzen der ergebnisorientierten qualitativen Forschung sprechen.
Diskussion in Kleingruppen
- Zuverlässlichkeit der rückblickenden Narrative
Die oft verwendeten Rückblickfragen beziehen sich auf Fakten bzw. Narrative, die manchmal viele Monate oder Jahre zurückliegen - dies kann zu Erinnerungschwierigkeiten führen. Es mag daher für die Interviewten schwer sein, präzise darauf Bezug zu nehmen. Mögliche Gedächtnishilfen, wie ein schriftlicher Bericht oder Bilder, die zu Beginn der Therapie erstellt wurden, bringen aber auch neue schwer kontrollierbare Elemente hinein, wie die Interpretation der Berichtverfasser_in.
Auch die eigene Deutung der Klient_in darf nicht vernachlässigt werden. Ich deute heute mein Leben von vor zehn Jahren ganz anders, als ich es damals gedeutet habe. Wenn ich nun sagen soll, ob sich mein Leben verbessert hat, vergleiche ich das Bild meines heutigen Lebens mit dem damaligen Bild meines damaligen Lebens oder mit dem heutigen Bild meines damaligen Lebens? Ersteres mag mehr Sinn für die Ergebnisforschung machen, zweiteres ist sicher das, was für mich relevant ist.
- Forscher_in-zentrierter Blick
Ein weiteres Problem ist die Tatsache, dass jede Forschung forscher_inzentriert ist. Die Forschung ist angelegt durch die Forscher_in, um Fragen, die sie beschäftigen, zu beantworten. Diese Fragen mögen für die Klient_in bedeutungslos sein.
- Ethische Probleme
Jeder qualitativen Forschung liegt eine Narrative des Prozesses der Klient_in zugrunde. Diese Narrative kann Aspekte enthalten, die die Klient_in für sich oder für dritte indentifizierbar macht. Diese Tatsache bringt schwerwiegende ethische und Verschwiegenheitsprobleme mit sich. Eine bewusste Entbindung der Klient_in kann kann diese Lage nur bedingt erleichtern, denn nicht jede - zukünftige - Nutzung der Daten ist vorhersehbar. Und auch die Möglichkeit gegebenfalls die Rohdaten nach Abschluss der Forschung zu vernichten - was im Sinne weiterer Forschungen schade wäre - ist unbefriedigend. Es bliebe immer noch die Möglichkeit, dass die Klient_in nachträglich ihre Zustimmung zurückzieht.
- Rückwirkung auf den therapeutischen Prozess
Ein weiterer Punkt, der zu erwähnen wäre, ist die Wirkung, die die Forschung auf den Therapieverlauf haben könnte. In einem Extremfall ist die Forscher_in so sehr bemüht, den Therapieverlauf nicht zu beeinflüssen, dass ihre Fragen allgemeiner Natur sind und inhaltslos werden. Im anderen Extremfall entsteht eine Art dreier Gespann von Klient_in, Therapeut_in und Forscher_in - und das ist schwer von Inszenierungen und Projektionen frei zu halten.
- Große Anforderung an die Teilnehmenden
Zusammengefasst ermöglicht die ergebnisorientierte qualitative Forschung einen tiefen Einblick in Therapieverlauf und -ergebnis. Sie kann wesentliche Fragen der Psychotherapie untersuchen, und ist unerlässlich als Grundlage für eine gute quantitative Forschung. Sie bringt aber auch große Komplexitäten mit sich, die sehr schwer zu behandeln sind.
Aber komplexe und unbegriffliche Zusammenhänge lagen ja schon in der Wiege der Psychotherapie.
⚠ %popwin id=3 width=800 height=500%[[Inhalt.ErgebnisorientiertQualitativReferenzen?skin=triad|Referenzen]]
Diskussion für den Online-Kurs:
Schreibe deine Gedanken zu den oberen Themen in den Kommentaren.
Zurück zur Folie Prozessorientierte quantitative Forschung
Trag deinen Kommentar am Ende der Liste ein
Diskussion im präsenziellen Kurs:
Gibt es Verständnisfragen?
- Diskussin im Plenum: Datenerhebung und -analyse
- Grenzen und Glaubwürdigkeit: Diskussion in 5 Kleingruppen jeweils zu den obigen Themen.
- Danach Diskussion im Plenum
Zurück zur Folie Prozessorientierte quantitative Forschung
Vortrag zur ergebnisorientierten quantitativen Forschung
Einführung
Wir haben uns im vorigen Kapitel mit den Grundlagen der Psychotherapieforschung - qualitativ wie quantitativ - auseinander gesetzt. Der erste Hauptstrang der Forschung, den wir uns zugewendet haben, war die der Prozessforschung, denn diese ist für Personen, die in Ausbildung sind, von unmittelbarem Interesse.
Ausbildungskandidat_innen sind von der Wirksamkeit der Psychotherapie überzeugt, warum sonst würden sie sich ausbilden lassen? Es ist dennoch oft mit ambivalenter Haltung, dass über die Wirksamkeit diskutiert wird: Entweder um gegenüber Bekannten den großen persönlichen Einsatz in die Ausbildung zu rechtfertigen, oder als notwendiges Übel, um finanzielle Unterstüzung für die Patient_innen zu erwirken.
Aus diesen und anderen Zusammenhängen sieht man, dass die Frage nach der Wirksamkeit der Psychotherapie von großem gesellschaftspolitischen Interesse ist. Wie wir im ⚠ %popwin id=5 width=1000 height=500%[[Grundlage.Grundlage?skin=triad|ersten Kapitel]] gesehen haben, leben wir in einer Kultur, die der Wissenschaftlichkeit großen Wert beimisst und speziell stark auf das naturwissenschaftliche Paradigma schielt. Im Gesundheitsbereich hat sich dies in die Forderung nach einer evidenzbasierten Medizin kristallisiert. Und da die Medizin im Gesundheitsbereich eine hegemonische Rolle spielt, wird diese Erwartung auf andere Gesundheitsberufe übertragen. Schauen wir uns dies noch genauer an:
Evidenzbasierte ergebnisorientierte Forschung
Eine der ersten groß angelegten ergebnisorientierten quantitativen Forschung war die Arbeit von ⚠ %popwin id=4 width=800 height=500%[[Inhalt.ErgebnisorientiertQuantitativReferenzen?skin=triad|Eysenck aus dem Jahr 1952]]. Diese Metastudie umfasste 7.000 Patient_innen und erwies eine negative(!) Wirkung der Psychoterapie.
Heute ist allerdings die methodenunabhängige Wirksamkeit der Psychotherapie erwiesen. Wie kam Eysenck dann zu diesem falschen Ergebnis? Diese Pionierforschung weist viele der Fehler auf, die man nur machen kann:
- Die Forschung verwendete ein unklares und subjektives Messverfahren, nämlich die persönliche subjektive Beurteilung des behandelnden Psychiaters;
- Sie hatte keine Kontrollgruppe;
- Der Faktor Zeit/Therapiedauer wurde nicht berücksichtigt;
- Die Forscher waren zugegebenermaßen voreingenommen;
- Auch wenn die Stichprobe sehr groß war, wurde keine Fehleranalyse gemacht, und somit wurden systematische Fehler übersehen.
Es stellte sich also die Frage, wie können wir es besser machen? Nach dieser Blamage bemüht sich die ergebnisorientierte quantitative Psychotherapieforschung daher sehr stark darum, evidenzbasiert zu sein.
Unter "evidenzbasiert" ist ein "gewissenhafter, ausdrücklicher und umsichtiger Gebrauch der aktuellen besten Erkenntnisse für Entscheidungen bezüglich der Versorgung eines Einzelpatienten" gemeint ⚠ %popwin id=4 width=800 height=500%[[Inhalt.ErgebnisorientiertQuantitativReferenzen?skin=triad|(Sackett et al. 1996)]].
Bei dieser Definition ist anzumerken, dass das Wort "Evidenz" gar nicht vorkommt. Zu Recht, denn wir haben schon gesehen, wie problematisch solche Begriffe wie "Objektivtät" sind. Stattdessen ist von "besten Erkenntnissen" die Rede. Weiters bezieht sich die Definition auf "Einzelpatient_in". Somit sind die wichtigsten Vorbehalte an der evidenzbasierten Forschung vom Tisch. In seiner Urform hat der evidenzbasierte Zugang nicht die Mechanik als Paradigma, er sieht weder seine Erkenntnisse als Wahrheit/Dogma, noch entpersonalisiert er die Patient_in. Es bleibt unvoreingenommen zu sagen, dass konkrete Forschungen dies vergessen, und dass die gesellschaftliche Rezeption ein anderes Bild malt.
Die evidenzbasierte Forschung macht häufig von ⚠ %popwin id=7 width=1000 height=500%[[https://de.wikipedia.org/wiki/Randomisierte_kontrollierte_Studie?skin=triad|randomisierten kontrollierten Studien (RKS)]] Gebrauch. Die Grundlage solcher Studien ist einerseits die "Randomisierung", die zufallsbestimmte Zuordnung der Fälle (zum Beispiel ob eine bestimmte Patient_in ein Medikament oder ein Placebo bekommt, entscheidet der Zufall), und andererseits der Vergleich mit einer Kontrollgruppe (in diesem Fall, derer die Placebo bekommen haben).
Evidenzhierarchie
Auch wenn die RKS-Anordnung in der Psychotherapie viel schwerer zu konstruieren ist als in der Medizin, wird sie auch hier als Goldstandard gesehen. Wir können die Forschungsmethoden wie in der Tabelle anordnen (aus ⚠ %popwin id=4 width=800 height=500%[[Inhalt.ErgebnisorientiertQuantitativReferenzen?skin=triad|Referenz 3]] übertragen, auf der dieses Kapitel basiert):
| Versuchsanordnung | Defnition | Stärke | Schwäche |
|---|---|---|---|
| Einzelfall-Studie | Die Intervention wird an einer Person angewendet und die Veränderung wird beschrieben | einfach, praxisnahe | Ausreichend nur, wenn die Veränderung ohne die Intervention mit Sicherheit bekannt ist |
| Fallserie | Eine Reihe von Personen bekommt die gleiche Intervention | Stichprobenumfang ist größer und die Streuung daher kleiner; Ansatzweise Aussage über Wirksamkeit | Kein expliziter Vergleich mit der Unterlassung der Intervention |
| Historisch kontrollierte Studie | Vergleicht eine Stichprobe mit älteren Fällen, wo die Intervention nicht verfügbar war | Erzeugt einen expliziten Vergleich | Gesundheitsdienstleitungen und Eigenschaften der Bevölkerung können sich verändert haben |
| Fall-Kontroll-Studie | Auswahl von Kontrollfällen, die mit bekannten Störfaktoren zusammenhängen | Basiert auf historischen Tendenzen | Unbekannte Störfaktoren sind naturgemäß unmöglich zu kontrollieren |
| Randomisierte Kontrollstudie | Eine Stichprobe wird zufällig zwei unterschiedlichen Interventionen zugeteilt | Kann eine gute Balance zwischen bekannten und unbekannten Störfaktoren bilden | Zuweisende Psychotherapeut_in versucht die Randomisierung zu umgehen |
| Randomisierte Kontrollstudie mit Verblindung | Die Randomisierte Zuordnung bleibt der Psychotherapeut_in unbekannt | Bildet eine gute Balance zwischen bekannten und unbekannten Störfaktoren | Zuweisende Psychotherapeut_in kann immer noch versuchen Randomisierung zu umgehen |
Diese Reihung will keinen Hinweis auf die Qualität der Forschung implizieren. Außerdem können sich je nach Fragestellungen unterschiedliche Forschungsanordnungen als zweckmäßig darstellen. Für Fragen der Wirksankeit sind die unteren Reihen für quantitative Aussagen relevanter, denn dabei ist die Fehlerstreuung kleiner. Die Fehlerstreuung ist nur kleiner und nicht null, denn randomisierte Kontrollstudien unterliegen wie jede wissenschaftliche Studie den wissenschaftlichen Grenzen und können daher bestenfalls falsifiziert werden.
Eine weitere Möglichkeit, die Streuung zu reduzieren, bieten Metastudien. In diesen werden viele Studien zusammen betrachtet. Diese Strategie ist sehr wirksam je besser die Studien vergleichbar sind. Dazu müssen die Messinstrumente übereinstimmen, müssen die Populationen ähnlich sein, müssen die Fehleranalysen vergleichbar sein. Wir sprechen in diesem Fall von "statistischer Homogenität". Diese ist schwer zu gewährleisten, und sie sollte den Vorrang gegenüber der Größe der Stichprobe haben. Soll heißen, wenn ich die Wahl habe zwischen einer Metaanalyse von vielen weniger homogenen Studien und von weniger aber homogeneren Studien, sollte zweiteres vorgezogen werden.
Diskussion im Plenum
Wozu brauchen wir randomisierte kontrollierte Studien?
Randomisierung?
Es gibt große Diskussion - auch in der Medizin - darüber, ob RKS immer der Goldstandard sind und ob sie überhaupt einsetzbar sind.
Denke zum Beispiel an die Frage ob Fallschirme für den Sprung aus einem Flugzeug wirksam sind - es wäre absurd eine Kontrollgruppe von Personen zu verwenden, die ohne Fallschirm springen. Hier wäre eine historische Studie angebrachter: Die Erfahrung von Personen, die vom Flugzeug ohne Fallschirm gefallen sind, wäre als Kontrollgruppe eher geeignet. Auch wenn wir sie weder randomisieren, noch die Störfaktoren homogenisieren können.

Besserung vs. Dauer
⚠ %popwin id=4 width=800 height=500%[[Inhalt.ErgebnisorientiertQuantitativReferenzen?skin=triad|(Referenz 3)]]Kontrollgruppe?
Eine andere Sache ist die Sinnhaftigkeit einer Aussage ohne Kontrollgruppe. Betrachte zum Beispiel die Frage ob die Besserung von Patient_innen mit der Anzahl der Sitzungen zusammenhängt. In der Graphik sehen wir eine eindeutige Besserung mit der Zeit, in den ersten Stunden findet eine größere Steigerung statt, die noch bis zum Ende hin besteht.
War dies aber der Effekt von der Psychotherapiebehandlung? Aus der Graphik allein können wir es nicht sagen, denn wir wissen nicht, wie es ohne die Behandlung gewesen wäre. In der nächsten Graphik haben wir nun eine Kontrollgruppe eingeführt:

Effekt vs. Dauer
⚠ %popwin id=4 width=800 height=500%[[Inhalt.ErgebnisorientiertQuantitativReferenzen?skin=triad|(Referenz 3)]]Im ersten Fall wäre die Besserung nur auf Grund der Therapie erfolgt. Die Besserung ist mit dem Effekt der Therapie gleich zu setzten. Das ist eher realitätsfern, denn die meisten Menschen erleben eine Besserung auch ohne psychotherapeutische Behandlung. Fall b würde eine solche Situation darstellen, in der der Effekt der Therapie sehr groß ist. Vorstellbar wäre aber auch Fall c, wo die Therapie immer noch hilfreich ist, aber nicht in solch einem Ausmaß wie im vorherigen Fall. In Fall d ist der Effekt der Therapie negativ - die Leute hätten sich schneller verbessert, wenn sie keine Therapie in Anspruch genommen hätten. Die letzten zwei Fälle erlauben differenziertere Aussagen: in e ist der Effekt der Therapie eine schnelle Besserung, in f setzt sich die Besserung anfangs gleich schnell ein, mit der Therapie wird aber ein höheres Niveau erreicht.
Wie wir in diesem Beispiel gut sehen, ist die Forschungsaussage ohne Kontrollgruppe sehr arm, erst die Kontrollgruppe ermöglicht detaillierte und zuverlässige Ergebnisse.
Große Stichproben?
Es ist intuitiv verständlich, dass je größer die Stichprobe, desto größer ist auch die Zuverlässigkeit der Ergebnisse.
In der Praxis arbeiten die meisten Psychotherapieforschungen mit einer kleinen Stichprobe von circa 30 Fällen. Für groß angelegete Studien ist diese Zahl eher um 300.
Auch wenn eine große Anzahl von Fällen die statistiche Aussage verbessert, bringt sie auch viele systematische Schwierigkeiten mit, die eventuell den positiven Effekt überwiegen. Zum Bespiel ist es leichter eine homogene Erhebung von Daten durch Fragebögen für 30 Personen zu erreichen. Bei 300 müssen wir schon unterschiedliche Interviewer_innen einsetzen und haben dann Schwierigkeiten bei der Homogenisierung. Oder die Interviewer_innen werden müde und füllen die Fragebögen am Ende der Erhebung anders als am Anfang aus.
RKS in der Psychotherapieforschung
Diskussion in Kleingruppen
In der Psychotherapieforschung gibt es bekanntlich große Vorbehalte gegen randomisierte kontrollierte Studien. Hier kommen zu den Schwierigkeiten aus der Medizin noch manchen dazu, die für die Psychotherapie spezifisch sind. Die Homogenisierung der Interventionen innerhalb beider Gruppen (Effekt- und Kontrollgruppe) ist sehr schwer zu erreichen, eine "keine Intervention"/Placebo-Situation schwer zu konzipieren, die Messinstrumente sind nicht sehr aussagekräftig bezüglich der Inhalte der Arbeit, uvm..
Speziell führt der Versuch, die Intervention zu homogenisieren zu einer Art Therapie nach Handbuch, und diese erfährt in vielen Schulen große Ablehnung. Es ist so, als ob die Forschungsgenauigkeit im Gegensatz zur therapeutischen Flexibilität stünde. Sehr schnell fühlen wir uns so wie im Beispiel der Fallschirmsprünge: können wir in der Gegenwart der Not einer Klient_in eine hilfreiche Intervention weglassen, nur weil sie in der Forschung nicht vorgesehen war?
Trotz aller dieser Schwierigkeiten gibt es spezielle Situationen, wo eine RKS wohl vorstell- und durchführbar ist. Und dann ist sie besonders wertvoll. Das ist insbesondere der Fall, wenn es nicht um einen Wertbewerb ("Pferderennen") zwischen verschiedenen Methoden, oder um die Effizienz der Behandlung für die Kostenträger geht.
Effektivität vs. Effizienz
In Bezug auf die Fragen des Kostenträgers ist es wichtig diese zwei Begriffe zu unterscheiden.
Unter Effektivität verstehen wir die Wirksamkeit einer Intervention. Die Effektivität des Einsatzes von Wasser oder Champagner für die Feuerlöschung ist gleich groß.
Bei der Effizienz geht es nun um eine Kosten-Nutzen-Rechnung: Der Einsatz von Champagner als Löschmittel ist - auch wenn effektiv - höchst uneffizient. Aber das auch nur unter gewöhnlichen Umständen. Wenn wir keinen Zugang zum Wasser haben und über tausende Champagner-Flaschen verfügen, mag es eine gute Idee sein, den Champagner einzusetzen.
Also die Effektivität bezieht sich mehr auf ideelle Umstände, wo es darum geht, die bestmögliche Intervention, unbedacht der Kosten zu wählen. Das ist für Therapeut_innen und Klient_innen die relevante Größe. Effizienz dagegen ist der Parameter der Kostenträger. Sie sind dazu beauftragt, die sinvollste Intervention aus dem Blickwinckel der Volkswirtschaft zu unterstützen.
| Effektivität | Die richtigen Dinge tun |
| Effizienz | Die Dinge richtig tun |
Diskussion im Plenum
Diskussion für den Online-Kurs:
Schreibe deine Gedanken zu den obigen Themen in den Kommentaren.
Trag deinen Kommentar am Ende der Liste ein
Diskussion im präsenziellen Kurs:
Gibt es Verständnisfragen?
Diskussion
- im Plenum: Evidenzbasierte ergebnisorientierte Forschung, Evidenzhierarchie
- in Kleingruppen: RKS in der Psychotherapieforschung
- im Plenum: Effektivität vs. Effizienz
Danach Austausch im Plenum
Prozessorientierte qualitative Forschung
Einführung in den Zugang
Ich möchte mit dem Zitat eines Standardwerks beginnen:
"Qualitative Forschung ist eine eingebettete Handlung, die den Beobachter innerhalb der Welt platziert. Sie besteht aus einer Reihe von interpretativen konkreten Praxen, die die Welt sichtbar machen. Diese Praxen transformieren die Welt. Sie wandeln die Welt in einer Reihe von Darstellungen, Feldberichten, Interviews, Besprechungen, Fotografien, Tonbandaufnahmen und persönlichen Notizen um. Auf dieser Ebene schließt qualitative Forschung einen interpretativen naturalistischen Zugang zur Welt mit ein. Das bedeutet, dass der qualitative Forscher Sachen in ihrem natürlichen Umfeld untersucht, und dabei Phänomenen Bedeutung schenkt oder in der Weise interpretiert, wie es die Betroffenen selbst tun." ⚠ %popwin id=1 width=800 height=500%[[Inhalt.ProzessorientiertQualitativReferenzen?skin=triad|<sup>1</sup>]]
Wenn wir diesen Text lesen, entsteht das Bild eines ⚠ %popwin id=2 width=800 height=500%[[https://de.wikipedia.org/wiki/Alexander_von_Humboldt|<strong>Alexander von Humboldts</strong>]], als er in eine ihm völlig unbekannte Welt eintaucht und versucht, diese kennenzulernen, zu beschreiben, zu verstehen, von ihr zu berichten. So ähnlich ergeht es eine_r in der qualitativen Psychotherapieforschung: Die Forscher_in will verstehen, was in dieser "Welt" passiert. Dabei versucht sie, eine Haltung einzunehmen, die dieser neuen Welt nicht Vorurteilen bzw. vorgefassten Meinungen der "alten" Welt überstülpt. Sondern im Gegenteil, sie versucht in die der neuen Welt eigenen Logik einzutauchen. Sie versucht, wie oben geschrieben, "die Sachen in ihrem natürlichen Umfeld zu untersuchen, und dabei Phänomenen Bedeutung zu schenken oder in der einen Weise zu interpretieren, wie es die Betroffenen selbst tun". Das heißt die Forscher_in beschreibt die "Welt" aus den Bezugsrahmen der Betroffenen.
Diskutiere das Zitat in Kleingruppen
Aber was ist denn diese Welt, die untersucht werden soll, was ist ein psychotherapeutischer Prozess? Operativ können wir sagen, ein psychotherapeutischer Prozess besteht aus den Handlungen, Wahrnehmungen, Absichten, Gedanken, Gefühlen von Klient_in und Therapeut_in sowie aus ihren Beziehungen.
Die qualitative Forschung wird charakterisiert durch die:
1) vordergründige Nutzung von nicht-numerischen sprachlichen Daten.
2) Diese Daten werden weiters durch interpretative (hermeneutische) Verfahren analysiert.
3) Es ergibt sich daraus ein tiefes Verständnis über die Perspektiven der Teilnehmenden an dem psychotherapeutischen Prozess, über ihre Erfahrungen während des Prozesses und über den kommunikativen Austausch, der dem Prozess Form gibt.
Wir unterscheiden zwischen Makro- und Mikroanalyse.
Die Makroanalyse versucht, wie bei einer Breitwinkelkamera die Perspektive auf die Gesamtheit der Szene zu lenken. Typische Fragen sind: Was passiert im Laufe des gesamten Therapieverlaufes? Was ist das Ergebnis der Therapie aus der Sicht der Klient_in und/oder der Therapeut_in? Die Makroanalyse arbeitet zum Beispiel mit qualitativen Interviews und Fragebögen.
Andererseits zoomt die Mikroprozessforschung in die Details ein. Sie ist zum Beispiel interessiert, wie Klient_in und Therapeut_in ihren Austausch während einer oder mehrerer Sitzungen gestalten, wie sie ihre Erfahrungen in den Therapiesitzungen organisieren. Die Mikroanalyse arbeitet oft mit Aufnahmen und Transkriptionen der Sitzungen. Diese können zusätzlich in einer Metaebene statistisch ausgewertet werden.
Gehen wir nun in weiteren Details und schauen, wie solche Forschungen strukturiert sind.
Forschungsgestaltung
Es gilt zunächst zu entscheiden, welche der folgenden Aspekte eher von Interesse sind:
- Naturalistisch vs. experimentell
Unter naturalistischem Zugang verstehen wir einen, der - wie in einer Feldforschung - versucht, den Prozess mit möglichst wenig Einfluss von außen zu betrachten. Er ermöglicht daher eher einen tieferen Blick in den Prozess, kann aber keine Variable kontrollieren. Dieser war der erste Zugang z.B. Freuds und wird immer noch bei den meisten qualitativen Studien verwendet.
Andererseits können wir in Anlehnung an die Naturwissenschaft Versuchsanordnungen gestalten, die manche Variablen kontrollieren und dadurch ermöglichen, kausale Zusammenhänge der "freien" Variablen zu erkennen. Es gibt kaum Studien, die streng experimentell wären, sondern vielmehr "gemischte" Studien, die zusätzlich zu dem naturalistischen Zugang doch einige Variable zu kontrollieren versuchen.
- Intensiv vs. extensiv
Hier beziehen wir uns auf die Anzahl der Fälle, die betrachtet werden. Bei der klassischen Fallbeschreibung wird ein einziger Prozess beschrieben, in der Annahme, dass er sich generalisieren lässt.
Extensive Studien (oder Gruppenanalyse) versuchen mehrere solche Einzelfälle zu kombinieren und daher Schlüsse auf die Allgemeinheit zu ermöglichen, die etwas weniger willkürlich sind.
- Quer- x Längsschnitt
Weiters können wir auch unterscheiden, ob die Studie einen Quer- oder Längsschnitt ziehen will. Bei Querschnitt-Studien, versucht frau zu untersuchen, was zu einem spezifischen Zeitpunkt passiert. Zum Beispiel, wie gestalten sich Erstgespräche? Sie verwenden in der Regel Interviews dazu.
Längsschnittstudien versuchen dagegen die zeitlich Entwicklung zu erfassen, was passiert im Laufe der Therapie? Diese Studien verwenden oft Sitzungstranskripte oder offene Fragebögen.
Fragestellungen, die sich auf Vergangenes (Wie hast du das Erstgespräch erlebt? Wie hat sich dein Vertrauen zur Therapeut_in geändert? ...) oder Zukünftiges (Was erwartest du von der Therapie? ...) beziehen, aber zu einem bestimmten Zeitpunkt gestellt werden, sind selbstverständlich Querschnitte.
Die meisten qualitativen Einzelfallforschungen sind Längsschnitte. Gruppenforschungen auf der anderen Seite sind meistens Querschnitte.
Plane deine eigene Forschung in Kleingruppen
Stichprobe - die Daten
Es stellt sich nun die Frage, wie komme ich zu den Daten? Es geht um die Auswahl der befragten Personen in Bezug auf die Forschungsobjekte. Diese können zum Beispiel Prozesse, Kontext, Setting, usw. sein.
In statistisch fundierten Studien, versuchen wir schon bei der Datenaufnahme auf die statistisch relevante Qualität zu achten. Es werden also auf diverse Arten der Randomisierung zurückgegriffen, um die Verallgemeinerung der Ergebnisse zu garantieren.
In qualitativen Studien andererseits versuchen wir eben durch eine ausgeklügelte Auswahl der Gefragten, die Qualität der Daten zu sichern. Es ist daher wichtig auf folgende Fragen genau einzugehen:
- Welche Zielgruppe will ich befragen?
Wenn ich genau weiß, was ich fragen will, kann ich die zu befragenden Personen z.B. unter folgenden Kriterien aussuchen:
- Sie sind leicht zugänglich (zum Beispiel verwende ich eine Liste der Therapeut_innen aus Internetportalen);
- Ist die Gruppe homogen (zum Beispiel suizidale Klient_innen)
- Sind es typische oder extreme Fälle?
- Wie suche ich sie aus?
Ich kann auch auf Grund einer theoretischen Fragestellung die Auswahl treffen. Zum Beispiel, inwiefern beeinflusst ein zeitlich naheliegender Tod die Themen in der Therapie.
Wenn alle diese Entscheidungen getroffen wurden, kann ich zur Datenerhebung übergehen:
Datenerhebung
Die Daten der qualitativen Forschung sind grundsätzlich sprachlicher Natur. Diese können unmittelbar für die Forschung erzeugt werde, wie Interviews oder Fragebögen. Der Prozess kann auch zunächst durch ein Aufnahmeverfahren eingehoben und dann ausgewertet werden. Das Material kann in schriftlicher Form transkribiert werden und das Transkript weiter verarbeitet, eventuell mit linguistischen oder statistischen Techniken ausgewertet werden. Es entstehen so typische Mischmethoden. Auch ist es möglich die Aufnahmen mit anderen computerbasierten Techniken auszuwerten.
Inhaltlich gilt das Interesse den subjektiven Erfahrungen der Klient_in oder der Therapeut_in im Therapieprozess oder dem kommunikativen Austausch während der Sitzung(en).
Es werden folgende Methoden eingesetzt:
- Qualitative Beobachtung
Audio- oder Videoaufnahme. Es ist zu vermerken, dass die Tatsache, dass die Sitzung(en) aufgenommen werden, den Prozess beeinflusst, obwohl mit dem Fortschritt der Technik, dies immer weniger störend wirkt.
Das Transkribieren ist eine Handlung, die eine mehr oder weniger subjektive Beeinflussung der Daten bewirkt. Dieser Prozess kann extrem aufwendig werden, wie wir im Detail in Kurs C3 sehen werden⚠ %popwin id=1 width=800 height=500%[[Inhalt.ProzessorientiertQualitativReferenzen?skin=triad|<sup>2</sup>]].
Aufnahmen sind die am wenigsten strukturierten Methoden der Datenerfassung. Weitere wenig strukturierte Methoden sind eigene Notizen der Therapeut_in/Klient_in über den Therapieprozess, und auch Supervisionsarbeit.
- Qualitativer Selbstbericht
Anders als in den Naturwissenschaften, wo ich den Stein nichts über den freien Fall fragen kann, gibt es in der Psychotherapie die Möglichkeit, Klient_in und/oder Therapeut_in direkt über ihre Erfahrung zu befragen.
Die direkte Befragung gibt Information, die in Aufnahmen nicht zugänglich sind, wie zum Beispiel, was für innere Prozesse in einem Moment der Stille passieren. Auch unausgesprochene Gedanken und die verschieden Metaebenen im Prozess werden in einer Aufnahme nicht erfasst. Die große Revolution der Psychoanalyse war es ja, dem Unaussprechlichen Bedeutung beizumessen.
Gegenüber den qualitativen Beobachtungen haben wir hier einen Perspektivenwechsel vollzogen: Von der Beobachter_in zur Betroffenen.
- Qualitative Interviews
Diese können mehr oder weniger strukturiert sein. Je weniger strukturiert, desto tiefgreifender und umgekehrt: denn durch die Einengung konkreter Fragen werden womöglich wesentliche Aspekte unangesprochen bleiben.
Am wenigsten strukturiert ist die freie Assoziation.
Danach kommen Narrative, in der die befragte Person einfach gebeten wird, ihre Erfahrung in Bezug auf ein bestimmtes Phänomen zu erzählen. Die Forscher_in stellt eine Frage und die Gefragte redet, wie beliebt. Zum Beispiel: "Erzähle mir über die Momente der Stille in der Therapie".
Strukturierter wird es, wenn einige spezifische Themen vorbestimmt werden, und die Befragte zwar frei aber über die spezifischen Themen referiert. Hier wieder einmal - je mehr Themen desto oberflächlicher.
Es gibt auch Versuche, die Fragethemen zu standardisieren, um vergleichbare Ergebnisse zu erhalten. Ein Beispiel ist das "Change Interview" ⚠ %popwin id=1 width=800 height=500%[[Inhalt.ProzessorientiertQualitativReferenzen?skin=triad|<sup>3</sup>]], das acht bestimmte Fragen stellt: 1) Wie war es, in Therapie zu sein? 2) Was hat sich verändert? 3) Was sind die Ursachen für die Veränderung (sowohl innerhalb der Therapie als auch von außen)? 4) Was war hilfreich in der Therapie? 5) Was war hinderlich in der Therapie? 6) Was war schwierig aber ok? 7) Was hat gefehlt? 8) Wie war es, in dieser Forschung einbezogen zu werden? (Das "Change Interview" wird auch für ergebnisorientierte Forschung verwendet.)
Zuletzt gibt es auch sehr strukturierte Interviews, die zwar für die Befragten offen gelassen werden, aber die Interviewer_in die offenen Antworten in einen vorgefassten Antwortraster einfügt. Diese lassen sich so leicht mit anderen Forschungen vergleichen, geben aber ein sehr eingeschränktes Bild vom Prozess. Sie werden eher als diagnostisches Werkzeug eingesetzt.
- Qualitative Fragebögen
Fragebögen schränken das Thema weiter ein, in dem sie auch für die Antwort nur vorgegebe Möglichkeiten zulassen. Hier wieder bringt diese weitere Strukturierung mehr Sicherheit, mehr Vergleichsmöglichkeiten, machen aber die Information immer oberflächlicher.
Dafür gibt es eine Reihe von standardisierten Fragebögen, die oft verwendet werden.
- Tonbandunterstützer Rückruf
In dieser Mischform wird der Befragten die Aufnahme einer oder mehreren Sitzungen/Passagen vorgespielt und sie wird gebeten, darüber zu berichten, was sich in ihr bewegt hatte.
Jede Gruppe wählt eine Forschungsidee über die Mittagspause aus.
Danach diskutiert sie Stichprobe und Datenerhebung dazu
Datenanalyse
⚠ %popwin id=3 width=1150 height=720 menubar=0%[[Inhalt.MapOfMethods?skin=triad||Attach:SharedUpload./MapOfMethods.jpg"Zeige Graphik"]]
Wir zeigen hier eine Graphik mit einem Überblick der prozessorientierten qualitativen Forschungsmethoden.
Die Methoden werden in zwei Dimensionen eingeteilt. In der Vertikalen organisieren wir sie danach, ob sie von unten hinauf oder von oben herab aufgebaut sind. In der Waagrechten geht es darum, ob der Schwerpunkt mehr auf den Inhalt oder auf die Struktur gesetzt ist.
- von unten hinauf oder von oben herab
Methoden, die von unten hinauf aufgebaut werden, werden von den Daten bestimmt. Das heißt, dass die Analyse durch die untersuchten Daten bestimmt wird. Die Kategorien tauchen nach dem Prozess auf, post hoc. Sie sind induktiv, reflexiv, flexibel, kommunikativ. Diese Methoden können auf den Inhalt oder die Struktur fokussieren und sind am Boden der Graphik dargestellt.
Umgekehrt werden Methoden von oben herab durch eine zugrundelegende Theorie bestimmt. Methoden und Kategorien sind a priori durch die Theorie definiert. Sie sind dann naturgemäß deduktiv, standardisiert und rigid. Somit werden sie oft bei quantitativen Zugängen verwendet. Diese Methoden können ebenso auf Inhalt und Struktur fokussiert sein und werden oben in der Graphik dargestellt.
| von unten hinauf | von oben herab |
| Entdeckend | Deduktiv |
| Phänomenologisch | Strukturiert |
| Flexibel | Standardisiert |
- Inhalt vs. Struktur
Die zweite waagrechte Dimension bezieht sich auf das Thema, das der Zugang untersucht. Geht es hier mehr um den Inhalt oder um die Struktur? Inhaltsbezogene Methoden beschäftigen sich mit Fragen bezüglich Autonomie, Beziehung, Angst, Schuld und anderer Emotionen. Strukturbezogene Methoden beschäftigen sich mehr damit, wie kommuniziert wird, also Themen wie Argumentation, Vermeidung, fragmentierte Sprache, Widerstand. Diese befinden sich rechts in der Graphik.
| Inhalt | Struktur |
| Beziehung | Vermeidung |
| Angst | Fragmentierung |
| Schuld | Widerstand |
Betrachte nun die Graphik. Sie ist aus der ⚠ %popwin id=1 width=800 height=500%[[Inhalt.ProzessorientiertQualitativReferenzen?skin=triad|Referenz 4]] entnommen und deswegen auf Englisch. Die Achsen habe ich gerade eben genau erklärt. In der Mitte der Graphik findest du eine Reihe von spezifischen Forschungsbeispielen, auf die wir dann noch genauer eingehen könnten, was aber unseren Zeitrahmen sprengen würde. Meine Absicht hier ist nur die Vielfalt und Breite der Forschung sichtbar zu machen.
Diskutiere vorweg, was deine Forschung für Aussagen liefern könnte und was nicht
Diskussion für den Online-Kurs:
Schreibe deine Gedanken zu den unteren Themen in den jeweiligen Kommentaren.
Zurück zur Folie Zugänge in der Psychotherapieforschung
Trag deinen Kommentar am Ende der Liste ein
Diskussion im präsenziellen Kurs:
Gibt es Verständnisfragen?
Die einzelnen Themen werden in Kleingruppen diskutiert. Sieh weiter unten die Details.
Danach Diskussion im Plenum
Zurück zur Folie Zugänge in der Psychotherapieforschung
Zur online Gestaltung
Hintergrundinformation über diese Homepage
In meinen Kursen steht immer die Interaktion der Teilnehmer_innen - mit mir und untereinander - im Vordergrund.
Als 2020 der Kurs auf "blended learning" adaptiert werden musste, war mir eine einfache Übertragung des präsenziellen Kurses mittels online Konferenzen unbefriediegend, denn da wären die Interaktionsmöglichkeiten stark eingeschränkt. Ich habe daher eine Form gefunden, die diese Schwierigkeit überwinden und gleichzeitig für einen präsentiellen Kurs als eine Art "Power Point Präsentation" verwendet werden konnte. Darüber hinaus wirkt sie als Sammelstelle für alle dem Kurs betreffenden Informationen.
Diese Form des "blendet learning" war durch zwei Aspekte gekennzeichnet - sie ist asynchron und interaktiv.
Asynchron heißt, dass jede_r jederzeit arbeiten konnte, und wir uns nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt "treffen" mussten. Diese Form ist uns allen aus Blogs gut bekannt: Du stellst einen Beitrag online, wann immer du willst, und deine Leser_innen können ihn jederzeit kommentieren.
Die Interaktion ergibt sich durch die Kommentare. Jede Seite, jedes Thema wird zunächst von mir erklärt und kann dann von allen - auch von mir - kommentiert/diskutiert. Im präsentiellen Kurs sind das die Folien der Präsentaion.
Diese Möglichkeiten bleiben uns erhalten, obwohl dieses Jahr erfreulicherweise unser Kurs präsentiell ist.
Im Detail schaut das folgendermaßen aus:
Grundstruktur
Die Seiten haben in der Regel zwei Bereiche.
1) Der erste wird "Folie" genannt. Es ersetzt eine "Powerpoint" Präsentation. Er wird uns durch den Inhalt des Kurses führen.
2) Der zweite Bereich wird "Vortrag/Erklärung" genannt und ist die Textunterlage zu meinem Vortrag. Er ist formell ein Blogeintrag, den du kommentieren kannst - das war im online Kurs der Raum für Verständnisfragen und auch für die Gruppendiskussionen, die wir diesmal "life" erleben werden..
Kommentar schreiben
Hier erkläre ich noch im Detail, wie du einen Kommentar schreiben kannst. Obwohl unsere Diskussion vor Ort stattfindet, ist es immer noch möglich hier schriftlich etwas zu deponieren. Drücke auf dem + um die Details zu lesen:
Am Ende jedes Blog-Beitrages (die werden hier als Vortrag/Erklärung tituliert) gibt es folgende Leiste:
Die erste Zeile zeigt kontextabhängigen Links, die dir helfen könnten, in der Homepage zu navigieren. Die wichtigsten Links findest du aber immer groß hervorgehoben am Ende jeder Seite.
In der zweiten Zeile findest Du das Feld "Kommentar(e):" Das ist das Feld, das Du am meisten verwenden wirst, und zwar um Beiträge zu kommentieren.
Richtlinien für Kommentare
Damit alles schön überschaubar bleibt, folge diesen Richtlinien. Sei versichert: Ich kann jede Änderung rückgängig machen, somit kannst du nichts "Falches" machen. Ich bin auch per Email und telefonisch erreichbar.
Richtinie: Gib deinen Vornamen als Autor_in ein und verwende immer die gleiche Schreibweise, sonst glaubt das Programm, dass es sich um unterschiedliche Autor_innen handelt. (Es gibt noch ein Feld für Email-Adresse - das aus Sicherheitsgründen notwendig ist. Das Feld "Homepage" kannst du aber leer lassen)
Editieren von Beiträgen
Wenn du das zweite Feld "editieren" in der zweiten Zeile anklickst, kannst du den Beitrag editieren.
Das ist sinnvoll, falls dir zum Beispiel ein Rechtschreibfehler aufgefallen ist.
Inhaltliche Änderungen sind auch möglich, obwohl diese wahrscheinlich besser als Kommentar Platz finden.
Die Software, die wir in dieser Homepage verwenden ist ein "wiki". Das ist dir vielleicht aus Wikipedia vertraut. In unserer Bibliothek findest du auch mehr Information über wikis. Das Wesentliche eines wikis ist auf jeden Fall die Tatsache, dass jede Person es editieren kann. So auch hier!
Übrigens gilt das für jede Seite. Ganz oben rechts unter dem Titel, gibt es den Button zum Bearbeiten. Dieser Button ich gut, um die "Folie" oder anderen Hauptseiten zu editieren. Für Blog-Beiträge (Vortrag/Erklärung) verwende lieber den hier besprochenen Link am Ende des Beitrages, sonst bekommst du lauter Zeichen, die nur für die Blog-Struktur wichtig sind.
In unserem interaktiven, asynchronen Kurs kannst du die Folien und die dazugehörigen Vorträge in beliebiger Reihenfolge und wann immer du willst lesen und kommentieren.
Ich freue mich auf eine rege Mitgestaltung, so dass dieser Kurs uns viel Spaß und einen tiefen Einblick in die "Wissenschaftstheorie" ermöglichen wird.
Trag deinen Kommentar am Ende der Liste ein
Sonstige Beiträge
Zum Artikel vom Buchholz
Diskutiere folgenden Zitate aus dem Text:
- Die Umwandlung des natürlichen Gesprächs in wissenschaftlich prozessierbare Daten stellt also kein geringes Problem da.
- Das Erscheinungsbild des sich wieder einstellenden Bewusstseins ist keineswegs eindimensional, doch versierte Kliniker sind im Stande, sämtliche Indizien mühelos und simultan zu erfassen. Sie erkennen die Anzeichen dafür, dass der Patient zu Bewusstsein kommt, auf der Stelle, so schwach und indirekt sie auch sein mögen. Sie sind nicht die einzigen, die das können. Auch Angehörige des Patienten haben dafür ein feines Gespür.
- Reflexives Schweigen (wenn erkennbar ein Stück Selbstanalyse vorgenommen wird, Verbindungen zu besprochenen Themen geknüpft oder Einsichten integriert werden.) ist bester Prädiktor für positive Resultate.
Damit Schweigen als „interner Prozess“ aufgefasst werden kann, damit ein Raum entsteht, in welchem das Schweigen produktiv für eine interne Klärung und Selbstklärung genutzt werden kann, muss eine Zuschreibung erfolgen; irgendwie müssen die Beteiligten sich darüber verständigen, wenn ein auftretendes Schweigen nicht unterbrochen werden sollte, weil da jemand die Stille für sein Nachdenken nutzen möchte.
Dies mehr oder weniger stille, interaktiv aber produzierte Moment der Zuschreibung haben die Untersucher offensichtlich nicht in den Blick genommen. Es fällt zwischen die Maschen der Theorie und dann auch der empirischen Untersuchung. - Therapeutische Kompetenz wäre vor allem Wahrnehmungskunst, weniger „Interventions“- oder „Deutungs“-Kunst Die Psychoanalyse hat diese Idee, dass wir es immer mit sinnhaften menschlichen Intentionen zu tun haben, am Beispiel der Fehlleistungen um die Dimension der unbewussten Intention erweitert. [...] Und qualitative und quantitative Beobachter können beobachten, wie Therapeuten ihrerseits Sinn aufnehmen und Sinn produzieren – und manchmal natürlich auch Un-Sinn.
Zur Definition von Psychotherapie
Diskussion im Plenum über die Defnition laut Psychotherapiegesetz:
Pschyotherapie ist "die nach einer allgemeinen und besonderen Ausbildung erlernte, umfassende, bewusste und geplante Behandlung von psychosozial oder auch psychosomatisch bedingten Verhaltensstörungen und Leidenszuständen mit wissenschaftlich-psychotherapeutischen Methoden in einer Interaktion zwischen einem oder mehreren Behandelten und einem oder mehreren Psychotherapeuten mit dem Ziel, bestehende Symptome zu mildern oder zu beseitigen, gestörte Verhaltensweisen und Einstellungen zu ändern und die Reifung, Entwicklung und Gesundheit des Behandelten zu fördern" (BGBl. 361/1990)
Folgenden Aspekte werden in der Folge genauer bertrachtet:
- Heilung x Reifung
- Anforderungen aufgrund der Interaktion und Beziehung zwischen Klient*innen und Psychotherapeut*innen
- Laienanalyse x Universitäre Ausbildung
- Unterschiedliche Annerkennungsstatus von Methoden in unterschiedlichen Ländern
- wissenschaftlichen Anerkennung und Quellberuf der Therapeut*in
Zur Schulenvielfalt und -integration
Diskutiere die Aussagen:
"Psychotherapie ist kein einheitliches, in sich widerspruchsfreies und an einem
gemeinsamen Gegenstandsverständnis ausgerichtetes Wissensfeld"
Gehe speziell auf folgenden Themen ein:
- "prä-paradigmatischer Disziplin" gegenüber der Auffassung, dass die Vielfalt eine "unvermeidliche Bedingung der theoretischen Bearbeitung von sinnhaft verfasster und autopoietischer Realität"
- Der Bezug der Psychotherapeut*in zu ihrer Theorie über Psychotherapie ist selbstreflexiv, es handle sich um ein Verhältnis von „Selbstbetroffenheit“
- Ein Austausch zwischen Alltagsbewusstsein und Theorie lässt sich nicht nur nicht verhindern, es wäre gar nicht wünschenswert
- Infolge des unauflöslichen Bezuges zu der jeweiligen Lebenswelt und Alltagsstruktur, [...] bleibt die psychotherapeutische Modellbildung lebendig und behält ihre Relevanz für die [...] Ansprüche, Bedürfnisse und Anforderungen, die an sie herangetragen werden. Gerade deswegen ist sie allerdings auch anfällig für ideologische Aufladungen und Verzweckungen aller Art
- Neue Entwicklungen in Richtung "integrative" Methode.
Zur Psychotherapieausbildung
Diskutiere die Vision Otto Kernbergs,
einer Kombination von Universität und Kunstakademie alls das ideale Paradigma für eine Psyhotherapieausbildung.
Diskutiere den Zitat Freuds:
dass der Arzt in der medizinischen Schule eine Ausbildung erfahren hat, die ungefähr das Gegenteil von dem ist, was er als Vorbereitung zur Psychoanalyse brauchen würde". Die ärztliche Ausbildung erschien ihm als „ein beschwerlicher Umweg zum analytischen Beruf“, sie würde dem Arzt nämlich zu viel aufladen, „was er [dafür] nie verwerten kann“, und die Gefahr mit sich bringen, „dass sein Interesse wie seine Denkweise von der Erfassung der psychischen Phänomene abgelenkt wird“
Ebenso die Aussage:
"Die Frage der Direktausbildung wird sich nicht in erster Linie an rational vorgebrachten inhaltlichen Argumenten entscheiden. Lobbygruppen, in diesem Fall Ärzte- und Psychologenverbände, verteidigen zunächst und zumeist einmal ihre angestammten Pfründe."
Zur evidenzbasierten Psychotherapie
Diskussion in Kleingruppen:
- Evidenzbasierte Psychotherapie: woher kommt sie und was will sie?
- Das medizinische Modell x Das kontextuelle Modell
Zum EST-Paradigma
Diskutiere das Probleme mit dem EST-Paradigma
- Anhand der
⚠ %popwin width=1000 height=600%[[Tschuschke/TschuschkeAbbildung?skin=triad|Graphik]]
und gehe speziell auf die Themen
- Manualisierung
- Diagnostische Glossare
- Metaanalysen
ein
Zur Psychotherapieforschung
Diskussion in Kleingruppen
Hier schreibt der Autor über die historische Entwicklung der Psychotherapieforschung von der Fallbeschreibung Anfangs des 20.Juahrhunderts bis zur modernen qualitativen Inhaltsanalyse. Hast du noch etwas dazu zu fügen?
Diskutiere die Aussage: Wirksamkeit therapeutischer Prozesse nicht nach Universalkriterien, sondern nach kontext- bzw. dialogbasierten Kriterien zu ermitteln
Was kannst du zur folgenden Aussage dazu sagen:
Psychotherapieforschung ist nicht etwas, das therapeutische Theorie und Praxis direkt anleitet, sondern das zu ihr in einem Spannungsverhältnis steht.
Zum Dodo Bird
Erkläre das Dodo Bird Paradox
- Was sagt es nicht aus?
- Was sag es doch aus?
Zur Psychotherapie und ihren Umwelten
Diskutiere folgenden Aussagen:
- Es eröffnet sich eine produktivere Perspektive, wenn man Psychotherapie nicht von vorneherein mit Wissenschaft gleichsetzt, sondern sie als eine Profession versteht, in deren Umwelt Wissenschaft – etwa in Form von Psychotherapieforschung – vorkommt und eine gewisse, durchaus nicht unwesentliche Rolle spielt
- Von besonderer Bedeutung für die Professionalisierung eines Berufsfeldes in einer modernen Gesellschaft ist aber weiters jene Koppelung, mit der wir uns bei dem Streifzug durch die Psychotherapieforschung schon ausführlicher auseinandergesetzt haben: die Beziehung zum System Wissenschaft.
- Der Anschluss an eine „Führungswissenschaft“ ist nämlich weniger offensichtlich, wenn man meint, bloß ihre Produkte zu verwenden. Im Fall der Psychotherapie sind hier die Diagnosesysteme ICD (International Classification of Diseases) und DSM (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders) relevant, die tatsächlich zum Standard einer psychologischen oder ärztlichen Ausbildung und Praxis gehören. Mit diesen Diagnosesystemen wird nun aber eine bestimmte Art von klinisch-psychiatrischem Denken, ein Denken entlang von Symptomen und Krankheitseinheiten transportiert und in die Psychotherapie importiert
Zusammenfassung
Kommentiere die Schlussfolgerungen:
- Auf der einen Seite will [Psychotherapie] eine Wissenschaft in ihrem eigenen Recht, eine eigenberechtigte Disziplin sein, auf der anderen Seite beruft sie sich auf wissenschaftliche Diskurse bzw. auf Kriterien anderer Fächer und schließt strategische Allianzen, dies v.a. mit der Medizin und Psychologie, um auf die dort etablierten Mechanismen der Ressourcenverteilung zugreifen zu können
- Es sieht also ganz so aus, als hätten die Mächte des Bestehenden die idealistischen und emanzipatorisch-gesellschaftsverändernden Potenziale, die für große Teile der Psychotherapie in den „wilden“ 1960er- und 1970er-Jahren kennzeichnend waren, weitgehend wieder zurückgedrängt.
